Scheiße stinkt auch digital

Seit 2014 beschäftige ich mich mit dem Thema „Glaubenskommunikation“ und dadurch auch zwangsläufig mit den Herausforderungen von Digitalisierung. Dadurch bin ich auch verstärkt in den Diskussionen rund um #digitaleKirche unterwegs.

Einer der häufigsten Fragen in diesem Bereich ist: Was haltet ihr von der Plattform XY? Wie arbeitet ihr mit den Konfis über XY? Dahinter steht die Idee, dass die Nutzung eines digitalen Produktes, bei der Lösung von allgemeinen Kommunikationsproblemen hilft.

Dabei wird jedoch vernachlässigt, dass Digitalisierung größer ist als digitale Produkte.

Konkreter formuliert: Eine Facebook-Seite ändert nichts an der Kommunikation, wenn die Art und Weise wie kommuniziert wird gleich bleibt.

Noch konkreter: Die Kommunikation von Kirche ist nicht so schlecht, weil sie keine Facebook-Seite hat, sondern weil sie verlernt hat mit Menschen außerhalb ihrer eigenen Freakbubble zu reden. Einfach so. Ohne Mission. Ohne Moral. Wie normale Menschen, dass eben so machen.

Das Problem von #digitaleKirche ist nicht nur, dass ihr oft das Verständnis über die Möglichkeiten der digitalen Kanäle fehlt, sondern auch, dass sie schon als #analogekirche unverständlich ist. Nicht die Digitalisierung macht Kirche in ihrer Kommunikation zu schaffen, sondern ihr schlechte Kommunikation. That’s it.

Keiner, aber auch wirklich keiner, braucht eine langweilige Predigt als Podcast, einen nichtssagenden Pfarrbrief als PDF oder eine App – für was auch immer.

Die Frage nach einer digitalen Kommunikationsstrategie setzt die Beschäftigung mit der Haltung, in der kommuniziert werden soll, voraus. Geht es weiterhin darum, dass Menschen auf Knien die heiligen Worte der hauptamtlichen Verkündiger empfangen, so wird sich diese Haltung auch nicht mit einer Facebook-Seite ändern. Wenn das Unverständnis über die Lebenswelt der Konfis so groß ist, bringt auch die Nutzung von TikTok, Snapchat, Instagram oder WhatsApp nichts.

Ein Medium ist eben nur ein Medium.