Call for Papers: Digitale Bibelarbeit?

Gestern habe ich ausgeführt welche Probleme es bei der Nutzung von aktuellen Bibelübersetzungen im digitalen Bereich gibt. Heute möchte ich etwas konstruktiver werden und ein paar Gedanken aufschreiben was die Ziele von digitaler Bibelarbeit sein könnten. Ich freue mich über Ideen, Anmerkungen und Kritik. Vielleicht lässt sich da ja was erarbeiten?

Meiner Meinung nach geht es bei der Bibelarbeit vor allem um den Aufbau einer Beziehung zwischen Text und Leser/in, sodass der/die Leser/in die Aussagen des Textes in Bezug zu sich selbst setzen kann und gleichzeitig die Möglichkeit bekommt mit eigenen Fragen an den Text heran zu gehen. Die Arbeit mit dem Text muss folglich eine Dialogstruktur aufweisen.

Jedoch hat ein Text den Nachteil, dass er auf Rückfragen nicht antworten kann. Es stellt sich folglich auch die Frage wer für den Text antworten soll. Im analogen Bereich geschieht dies oft durch weitere Gesprächspartner, die ihre Interpretation des Textes vortragen. Digitaler Content wird jedoch tendenziell alleine konsumiert.

Eine weitere Schwierigkeit, allgemein bei der Arbeit mit den biblischen Texten, ist die Frage nach dem Umgang mit der Zeitspanne zwischen Autor/in und Leser/in. In der Theologie ist dieses Problem unterHermeneutischer Zirkel zusammengefasst. Wie ermögliche ich es dem Rezipienten/der Rezipientin einen Einblick in die Gedanken des Autor/der Autorin zu ermöglichen? Oder ignoriere ich die mens autoris und konzentriere mich auf die Reaktion bei dem/der Leser/in?

Beispiel: Dei-Verbum.de

Gerne möchte ich an dieser Stelle auch ein (meiner Meinung nach) interessantes und gelungenes Projekt im Hinblick auf digitale Bibelarbeit aufzeigen: Das Blogprojekt der Citykirche Wuppertal Dei Verbum

Die Autoren Werner Kleine und Till Magnus Steiner bearbeiten aktuelle gesellschaftliche Debatten anhand von Bibeltexten. Dadurch schaffen Sie es den Text für die aktuelle Situation relevant zu denken. Ein ausgiebiges Glossar ermöglicht auch Lesern ohne theologischen Wortschatz die Artikel nachzuvollziehen. Dieses Projekt zeigt beispielhaft wie die biblischen Texte auch in der heutigen Zeit relevant sein können und bietet damit ein praktisches Beispiel für das Problem der großen Zeitspanne zwischen Verfasser/in und Leser/in.

Beispiel: Offene-Bibel.de

Gerade auch weil ich sie in meinem letzten Eintrag nicht erwähnt habe: Das Projekt “Offene Bibel” ist ein kleiner Lichtblick am digitalen Horizont. Ziel dieses Projektes ist eine vollständige Bibelübersetzung als Studienfassung (Textkritische Übersetzung), Lesefassung (lesbares Deutsch) und einer in Leichter Sprache.

“by” für die Namensnennung des Autors steht (in diesem Fall wohl das Projekt Offene Bibel” und das “sa” für “same attribute”, also Weitergabe zu den selben Bedingungen. (Sprich: egal was sich dran ändert, das Endprodukt muss stehts unter eine freie Lizenz fallen).

Der aktuelle Stand des Projekts ist durchwachsen, aber an einigen Stellen schon recht lesenswert. (Vor allem das Markus Evangelium ist in der Studienfassung fast vollkommen fertig übersetzt.) Die textkritische Ausgabe ist weit fortgeschritten und bietet eine gute exegetische Basis.

Call for Papers

Allgemein muss ich festhalten, dass ich im Hinblick auf Möglichkeiten für ein digitales Bibelprojekt ziemlich ratlos bin. Deswegen hier der Aufruf: Gibt es Ideen(fragmente), Anregungen, Kritik, Überlegungen. Ich bin gespannt!

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