Ennoia – Ein Metaprojekt für schönere Konzepte

Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige Freelancer, der immer mal wieder einige Stunde ins Schreiben von Konzepten investiert. In den letzten Monaten kam da einiges bei mir zusammen; um dabei nicht immer bei null anzufangen, habe ich mir selbst eine kleine PDF-Vorlage mit den wichtigsten Fragen und Daten erstellt – quasi ein kleines, strukturiertes Notizbuch für das Projekt.

Vom Plakat zum Notizbuch

Das Erarbeiten dieses Notizbuches war auch der Tatsache geschuldet, dass ich bis dato noch keine freie Vorlage zum strukturieren einer Projektidee gefunden habe. Zwar gibt es das klassische Business Model Canvas und dem darauf basierenden Ecclesiopreneurship Canvas, doch diese sind mir von der Form zu unhandlich und der Fokus ist zu stark auf Unternehmensstrukturen gesetzt. Damit fallen diese beiden Tools, obwohl sie (vor allem Teilaspekte) durchaus sinnvoll sind, für meine „tägliche“ Konzeptarbeit raus.

Eventuell geht es damit ja nicht nur mir so; deswegen habe ich mich entschlossen mein kleines „Metaprojekt für schöne Konzepte“, welches ab heute auf den Rufnamen „Ennoia“ hört, zu veröffentlichen. Unter http://ennoia.ruach.jetzt findet sich die PDF und der Link zum GitHub.

Freie Lizenz für gute Zusammenarbeit

GitHub? (Höre ich euch nicht Fragen) GitHub? Ist das nicht für Software. Das ist richtig (, antworte ich dir mein imaginärer Lesender,), denn Ennoia soll, auch wenn es sich um ein altmodisches Stift&Papier-Tool handelt, wie eine Software entwickelt werden. Neben der Tatsache, dass Ennoia unter der CC by-sa Lizenz steht, werde ich die nächsten Tagen auch die Source-Dateien zur Verfügung stellen, so dass einer Optimierung des Tools nichts mehr im Wege steht.

Ideen, Bugs oder Featurewünsche können ganz bequem bei GitHub eingestellt werden. Wem der Ruach.jetzt-Look nicht gefällt, forkt es einfach und ändert sich die Farben. Alles ist möglich und alles ist gewollt. Vielleicht hast Du auch eine Idee wie die Finanzseite besser gestaltet werden kann oder eine ergänzende Methode, die sich super in Ennoia machen würde – dann ab damit ins GitHub als Featurewunsch oder direkt von dir gestaltet.

Einzige Bedingung bei allen Bearbeitungen: Der ursprüngliche Autor ist genannt und jede Änderung muss ebenfalls wieder unter die CC by-sa Lizenz gestellt werden. So können alle von den Verbesserungen profitieren.

Ich freu mich auf euer Feedback.

Wer immer auf dem Laufenden bleiben möchte, darf Ennoia auch gerne auf Facebook oder GitHub verfolgen.

PS: Noch gibt es nur das blanko PDF ohne ausführliche Erklärungen. Aber das kommt noch alles. Versprochen.

5 Podcast, die ich regelmäßig höre

Gestern (19. März) startete mit „Secta – Der Podcast über Sekten und religiöse Sondergemeinschaften“ ein neues Projekt im ruach.jetzt Netzwerk. Erdacht, geplant und moderiert von Fabian, der dem ein oder anderem von seinem Heimatblog Theopop.de bekannt sein dürfte. Zum Start seines neuen Projektes hat Fabian nach unseren den Top 5 Podcast gefragt. Da ich eigentlich gewöhnt bin ungefragt eine Antwort zu geben, freue ich mich jetzt umso mehr meine fünf Lieblingspodcast vorzustellen:

5. Platz: Radio Nukular

Mein 5. Platz geht an Radio Nukular. Im Vergangenheitsbewältigungspodcast reden Dominik Hammes, Max Nicolas Nachtsheim aka Rockstah und Christian Gürnth (mir selbst noch bekannt aus meinen PC ACTION Zeiten) darüber wie es war in den späten Achtzigern und frühen Neunziger geboren zu sein. Höchst unterhaltsam, aber auch gerne mal mehrere Stunden lang, geht es um die N64 (Teil 1, Teil 2), wie es so war in der Schule, den filmischen Meisterwerken von Adam Sandler (über 6 Stunden lang); aber auch über ernste Themen wie Mobbing oder über die sich ergebenen Probleme, wenn Nerds mit Mädchen eine Beziehung aufbauen wollen.

Zwar habe ich nur die 90er voll miterlebt, aber dennoch bringt es immer wieder Spaß und Freude von diesem Podcast an die Kindheit erinnert zu werden. Wunderbar unterhaltsam.

4. Platz: Almost Daily

Eigentlich war Almost Daily als fast tägliche YouTube Show für den Kanal der Rocketbeans (damals noch einzig für die Produktion von GAME ONE bekannt) geplant. Aus täglich wurde zwischenzeitlich jährlich (weil mehrere Monate Pause) und nun, dank eigenem Sender, wöchentlich und live Samstags um 20 Uhr.

Geredet wird über alles mögliche. Wenig strukturiert eher spontaner Smalltalk von Leuten denen (ich zumindest) gerne zuhöre. Legendär ist die Folge über Partyerlebnisse. Immer wieder nett reinzuhören, vor allem für Fans von den alten Giga-bohnen und ab und ab gibt es paar Hintergrundinformationen.

3. Platz: Mit vergnügen: Beste Freundinnen & Sexvergnügen

Beste Freundinnen und Sexvergnügen sind beide Podcasts des Partyveranstalters und Lifestyle-Ding „Mit vergnügen“. Das Konzept der beiden Podcast ist einfach. Zwei Freunde (Beste Freundinnen) beziehungsweise zwei Freundinnen (Sexvergnügen) unterhalten sich mehr (Beste Freundinnen) oder weniger (Sexvergnügen) reflektiert über Beziehung, Liebe und Sex(ualität). Immer mal wieder eine netter Gedankengang dabei.

Vor allem die Umkehrung der Genderstereotypen (hier unterhalten sich die Frauen über Sex und die Männer über Liebe) und der Wechsel der beiden Podcast (alle 14 Tage, aber um eine Woche verschoben also gibt es jede Woche was auf die Ohren), sorgen für gute Unterhaltung.

2. Platz: Hossa Talk

Von Liebe & Sex jetzt zum einzigen christlichen Podcast in dieser Rangliste: Hossa Talk ein Podcast von zwei Evangelikalen, die mit ihrem Glauben ringen, ihn nicht verloren haben und jetzt die Weltherrschaft anstreben. Oder wie sie es selber sagen: „Jay und Gofi erklären die Welt.“ Aufmerksam auf den Podcast von Jakob Friedrich und Gofi Müller bin ich durch ein Posting von Theopop geworden. (So schließt sich der Kreis)

Gerade für mich als katholischen Theologen ist diese andere Perspektive, eben der liberal-evangelikale Blick, sehr aufschlussreich für die eigenen Erkenntnisprozesse. So nehme ich gerne die Definition von Progressiv und Konservativ aus dem Podcast in meine Argumentation: Progressive suchen in der Gegenwart Antworten auf die Zukunft und Konservative in der Vergangenheit. Und beides hat eben auch sein gutes.

Nicht nur als reiner Unterhaltungspodcast, sondern auch zum Nachdenken über theologische Themen, wirklich sehr bereichernd.

1. Platz: Fest & Flauschig

Nicht wirklich ein Geheimtipp (so wie wohl der Rest dieser Liste wohl auch nicht), aber dafür mein absoluter Suchtpodcast. Das Konzept des Podcast: Es ist ein ganz normaler Tag in Deutschland, zwei Männer unterhalten sich. Seit dem 15. Mai 2016 führen Jan Böhmermann und Olli Schulz auf Spotify ihre 2012 gestartete Radiosendung „Sanft & Sorgfältig“ fort. Mich persönlich spricht die Mischung von derberen Humor und tiefgründiger Gesellschaftskritik, gepaart mit sehr emotional vorgetragenen Musikempfehlungen, und teilweisen Dadaistischen Elementen, sehr an. Oft erwische ich mich dabei dumm und dämlich in die Gegend zu grinsen, wenn ich gerade den Podcast höre.

… und noch einen Bonustipp

Nach diesen 5 Podcastempfehlungen habe ich noch einen Sondertipp. Ich musste damals echt lange nach einem guten Podcastplayer für Android suchen, der mich nicht mit Werbung überschüttet oder für jedes Feature Geld sehen will. Nun hab ich einen gefunden und gebe ihn gerne weiter: AntennaPod heißt das gute Teil. Ist OpenSource und extrem mächtig in den Einstellungen. Absolute Empfehlung.

Was die Kirche von „funk“ lernen kann.

Am 18. November 2016 war es endlich soweit: Das Gaming-TV Format GAME ONE, von und mit den alten GIGA-Nasen Buddy, Etienne, (Arne) und Niels, kam als GAME TWO zurück. Die einst 15 Minuten lange (aufgezeichnete) Sendung rund um den Games- und Nerdkosmos, wurde Ende 2015 recht abrupt von Viacom, dem Mutterkonzern von MTV, abgesetzt. Als Reaktion gründete das Team den privaten Internetsender Rocketbeans TV, der nun mit GAME TWO sein altes Format als einstündige live Sendung zurück erhält. Möglich ist dies durch das am 1. Oktober 2016 gestartete Online-Medienangebot „funk“ der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Vom Fernsehsender zum Content-Netzwerk

So sehr ich mich über die Rückkehr von GAME TWO gefreut habe, so sehr hat mich das Konzept von funk ins Grübeln gebracht. War es bislang so, dass die Produktionsfirma für die Produktion des Inhaltes und die Rundfunkanstalten für deren Verbreitung verantwortlich waren, ist bei funk auch die Verbreitung des Inhaltes in der Verantwortung der Produzierenden. Nicht funk entscheidet über den Sendetermin, sondern der/die Contentersteller*in.

Das liegt vor allem daran, dass sich „funk“ nicht als Fernsehsender, sondern als  „das Content-Netzwerk von ARD und ZDF“1)https://www.funk.net/, zuletzt abgerufen am 6. Januar 2017 sieht. funk ist eben „kein Fernsehsender“2)Ebd. und geht damit einen eigenen Weg in der Contentvermarktung.

funk sieht seinen Sinn und Zweck eben nicht in der Bestückung eines linearen Kanals, sondern vor allem in der effektiven Umsetzung ihres Auftrages: ein gutes Informations-, Kultur- und Unterhaltungsprogramm für eine Zielgruppe zwischen 14 und 29 Jahren zu gestalten. funk hat erkannt, dass diese Zielgruppe eben nicht mit einem Angebot an einem Ort, sprich einem Fernsehsender, zu erreichen ist, sondern durch das Verbreiten der Inhalte an Orten, an denen sich diese Zielgruppe auch bewegt: Also direkt bei Facebook, YouTube, SnapChat und eben auch auf dem eigenen TV-Sender der RocketBeans.

Möglich wurde dieser Schritt, weil sich ARD und ZDF auf ihren eigentlichen Auftrag – die Produktion von (im Sinne des Bildungsauftrages) – gutem Content und nicht zwangsläufig deren Vermittlung besann.

… und was die Kirche im Hinblick auf Verkündigung davon lernen kann.

Ich sehe in diesem Schritt vom linearen Fernsehsender hin zu einem Content-Netzwerk einen innovativen Ansatz, der auch für die inhaltliche Arbeit der Kirchen sinnvoll sein könnte.

Stellen Sie sich vor, dass die Bausubstanz Kirche der Fernsehsender ist. Seit mehreren Jahren gibt es dort das feste Programm (zum Beispiel sonntags um 10 Uhr Messfeier, 18 Uhr am Samstag Vorabendmesse, freitags 16 Uhr Rosenkranz). Alle Menschen sind herzlich eingeladen, sich in tätiger Teilnahme diesem Programm beizuwohnen (quasi einzuschalten). Genau wie beim linearen Fernsehprogramm lässt sich auch beim kirchlichen Wochenablauf feststellen, dass die Bedürfnisse der Menschen immer mehr zu einem on demand Verhalten tendieren. Eine Abkehr von linearen Abläufen ist nicht zwingend eine Abkehr von den vermittelten Inhalten, sondern viel mehr Ausdruck einer Gesellschaft, die unter Zeitdruck lebt. Nun lässt sich natürlich argumentieren, dass gerade die Kirche und die Gottesdienstzeiten gerade gegen diesen Zeitdruck stehen und für einen Freiraum plädieren. Praktisch heißt dies jedoch, dass die Form (also die Uhrzeit und die unflexible Programmplanung) daran hindert, den Inhalt wahrzunehmen.

Neben der Frage der Zeit zeigt die Umstellung bei funk auch, dass die Frage nach dem Raum entscheidend ist. funk verfolgt im Vertrieb eine – dem wahrsten Sinne des Wortes – multimediale Strategie. So gibt es unter anderem Podcasts, Snapschat Shows, YouTube-Videos und Livestreams. Jeder digitale Kanal wird bedient. Der Wandel hin zu einem Content-Netzwerk gibt der Frage nach dem Medium wieder eine neue Bedeutung.

Zum einen wird das Medium wieder genau das, was es sein sollte: Ein Mittel zum Zweck, um etwas möglichst gut zu transportieren. Zum anderen ist die Frage nach der Wahl des Mediums wieder eine bewusste Frage, die sich an den gewünschten Effekten orientiert und nicht zwangsläufig auf das Gegebene setzt. Genauso wäre es, aus meiner Perspektive, auch für kirchliche Angebote und Aktionen sinnvoll nicht, weil man den Kirchengebäudekomplex eh hat, auf das Gegebene zu setzen, sondern durchaus auch andere Orte zu nutzen. Eben nach dem Kriterium was dem Inhalt dient und nicht nach Bequemlichkeit.

Ein letzter Punkt, in dem meiner Meinung nach die Kirche von den Entwicklungen bei funk lernen kann, ist die Hinwendung zu einem Netzwerk von verschiedenen Produzenten, die in Eigenständigkeit arbeiten. Die Dezentralisierung der Angebote entspricht der Netzwerklogik, die zum Beispiel die Synode von Trier einfordert. 3)vgl. http://www.bistum-trier.de/heraus-gerufen/ Um dies zu fördern, gilt es, private Initiativen (oder kirchlich gesprochen: Laienengagement) zu fördern und zwar nicht nur mit warmen Worten, sondern eben auch mit finanziellen Mitteln, wie zum Beispiel Innovationspreise, Materialkostenerstattung oder Anschubsfinanzierungen.

Für die Kirche würde der Perspektivwechsel dann heißen: Weg von einer eindimensionalen, auf die Pfarrei und ihre Angebote zentrierte Verkündigung, hin zu einem Netzwerk von engagierten Initiativen, Vereinen und Verbänden.

Dieser Artikel erscheint zeitgleich bei 1711 – Theologie aus der Ich-Perspektive

Verweise   [ + ]

1. https://www.funk.net/, zuletzt abgerufen am 6. Januar 2017
2. Ebd.
3. vgl. http://www.bistum-trier.de/heraus-gerufen/